BIOTECH AUSTRIA

Zwischenstopp in Innsbruck: Österreichs Biotech-Szene sucht den Weg zum Scale-up

Beim BIOTECH SUMMIT AUSTRIA in Innsbruck Mitte Oktober ging es um mehr als wissenschaftliche Exzellenz: Wie werden aus guten Forschungsergebnissen international wettbewerbsfähige Unternehmen? Und woher kommt das Kapital für den nächsten Wachstumsschritt? Der Zuspruch zur Veranstaltung war erneut rekordverdächtig.

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„Start up, Scale up, Step up!“ – das Motto des vierten BIOTECH SUMMIT AUSTRIA war zugleich eine Art Arbeitsauftrag an die österreichische Biotech-Branche. Mehr als 250 Teilnehmer aus zwölf Ländern kamen am 14. und 15. Oktober in Innsbruck zusammen. Im Zentrum stand eine Frage, die auch in anderen europäischen Biotech-Ökosystemen immer wieder aufkommt: Wie lässt sich wissenschaftliche Stärke in Unternehmen übersetzen, die nicht nur gegründet werden, sondern auch wachsen und international bestehen können?

Einer der prominentesten Redner war Karl Nehammer, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler und inzwischen Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB). Seine Botschaft: Europa verfüge über die wissenschaftlichen Voraussetzungen, müsse aber die Finanzierungslücke zwischen Forschung, Markteintritt und internationaler Expansion schließen. Gerade in dieser Phase brauche es Kapital, das langfristig angelegt sei und Wachstum ermögliche. Das ist eine vertraute Diagnose – sie zeigt aber, wie sehr die Frage nach der Finanzierung inzwischen zum Kern der europäischen Biotech-Debatte gehört.

Der Summit, organisiert von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol, brachte dafür unterschiedliche Perspektiven zusammen: Forschung, Start-ups, etablierte Industrie, Investoren und Politik. Es ging um Venture-Finanzierung und internationale IP-Strategien ebenso wie um den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Biotech-Investments und die österreichische Biotech-Strategie.

Kapital, Geschäftsmodelle und geopolitische Verschiebungen

Wie sich das Umfeld für die Branche verändert, beleuchtete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der STADA AG. Geopolitische Verschiebungen, technologische Innovationen, veränderte Gesundheitssysteme und neue Geschäftsmodelle könnten die Pharmaindustrie bis 2035 grundlegend prägen. Stefan Haubner, Founding Partner von APEX Ventures, stellte die Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital benötigt. Damit rückte eine Debatte ins Programm, die über die österreichische Szene hinausweist: Reichen die vorhandenen Finanzierungsstrukturen aus, um kapitalintensive Biotech-Unternehmen bis zur internationalen Skalierung zu tragen?

Dass unternehmerischer Erfolg nicht nur von Kapital und Technologie abhängt, brachte Segel-Olympiasieger Lukas Mähr in seiner Keynote ein. Er sprach über Resilienz und Teamarbeit – Begriffe, die auch für junge Unternehmen relevant sind, wenn Entwicklungsprogramme länger dauern als geplant, Finanzierungsrunden schwieriger werden oder sich Märkte verändern.

Zum Abschluss diskutierten Christoph Huber, Mitgründer und Investor von BioNTech, und BIOTECH-AUSTRIA-Präsident Peter Llewellyn-Davies über Erfahrungen beim Aufbau erfolgreicher Biotech-Unternehmen. Gerade der Blick auf Unternehmen, die den Schritt aus der Forschung in internationale Märkte geschafft haben, dürfte für eine Branche von Interesse sein, die in Österreich wie anderswo vor der Aufgabe steht, mehr aus ihrer wissenschaftlichen Basis zu machen.

Innsbruck als Treffpunkt – Graz als nächste Station

Neben den Vorträgen und Diskussionsrunden war der persönliche Austausch ein wesentlicher Teil des Treffens. Gezielte Einzelgespräche und Networking-Formate sollten Kontakte entlang der Biotech-Wertschöpfungskette ermöglichen und mögliche Kooperationen anbahnen. Der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle nutzte den Summit, um die Bedeutung der Life Sciences für den Standort hervorzuheben. Tirol verfügt nach Angaben der Standortagentur über mehr als 11.000 Arbeitsplätze und einen Branchenumsatz von nahezu drei Milliarden Euro pro Jahr. Hier spielen die Standorte von Novartis und Sandoz eine bedeutende Rolle.

Der Summit ist zugleich ein Instrument, um die österreichischen Regionen unabhängig vom allgegenwärtigen Dominator Wien stärker miteinander zu vernetzen. Während Innsbruck in diesem Jahr Gastgeber war, soll die Veranstaltung 2027 in Graz stattfinden wie schon 2025. Die Organisatoren wollen mit dem Wechselschritt zwischen Tirol und der Steiermark den Austausch innerhalb der österreichischen Szene aber auch zu den jeweiligen benachbarten internationalen Verbindungen weiter ausbauen. In Graz zielt dies auch auf die Nachbarn südlich des Alpenhauptkamms.

Der vierte BIOTECH SUMMIT AUSTRIA machte damit vor allem eines deutlich: Die Branche hat ihre Herausforderungen klar benannt. Wissenschaftliche Exzellenz allein reicht nicht; entscheidend sind die Finanzierung der nächsten Entwicklungsstufen, tragfähige Geschäftsmodelle und der Zugang zu internationalen Märkten. Ob aus dem Anspruch „Scale up“ tatsächlich mehr global erfolgreiche Unternehmen entstehen, wird sich allerdings nicht auf Konferenzbühnen entscheiden, sondern in den Finanzierungsrunden und Wachstumsschritten der kommenden Jahre zeigen.

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